KRACK-Der Posträuber vom Rabental

 

Nächste OFFENE KRACKTOUR:

Freitag, 5. August 2016

Treffpunkt um 21:00 Uhr

- am Parkplatz der Kapelle Klein-Heilig-Kreuz -

7.-€ pro Person

Anmeldung über Kontaktformular bis 1 Tag vor der Veranstaltung

 

 

Geschichten & Geschichte 

Jeden Monat erscheint auf dieser Seite eine neue, spannende Geschichte über Krack und seine Bande. Wissenswertes über das Räuberleben, spannendes aus dem Räuberwald und viele gruselige Informationen.

Über KRACK schreibt man

Genauer gesagt, Frau Marita Glaser aus Fulda, eine nette Dame, welche eine Kracktour erleben konnte:

(Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung M. Glaser)

 

 

 

 

Heimatkunde als Event

 Wer sich über den Titel in der Wortmischung alt und englisch wundert, dem sei gesagt, dass es sich genau so abspielte.

Die diesjährige Jahresabschlussfeier fand am, im und um den Jagdhof Klein-Heilig-Kreuz statt.

Angesagt waren eine 2 stündige Wanderung und anschließendes Essen.

In der schon stockdunklen Nacht wartete die Truppe auf den Start und der begann mit dem Auftauchen eines seltsam gewandeten Herrn, der sich als Räuber Krack vorstellte und schon mal peilte, bei wem was zu holen war. Er erzählte schottischer Herkunft zu sein und schlug so den Bogen zu unseren Vorfahren den Kelten, die einstmals auch in unserer Gegend hausten. 1848 habe es ihn aus amourösen und gesetzlichen Gründen nach Fulda und Umgebung verschlagen. Seinen Namen erklärte er mit dem krachenden „Krack“, das ertönte, wenn er einem Opfer den Hals umdrehte und es so zu Tode brachte.

Um den Himmelsberg herum auf den alten Handelswegen/Hohlwegen (Ortesweg und Antsanvia) habe er mit seiner manchmal 15 köpfigen Bande Postkutschenüberfälle und andere Missetaten begangen.

Räuber Krack fragte geschichtliche Hintergründe ab und wollte wissen, welches besondere Ereignis im Jahr seines ersten Erscheinens in der Fuldaer Region stattfand. Die verdutzten, fragenden Gesichter der Kollegen Innen wurden durch die Antwort des „Chefs“ wieder in Normalzustand versetzt, denn er konnte diese Frage beantworten.

Seit Beginn der 1840er Jahre destabilisierten wirtschaftliche Krisen und allgemeine politische Unzufriedenheit die soziale und politische Ordnung und mündeten 1848 in eine, ganz Europa, erfassende revolutionäre Welle. Auch in Deutschland wurden auf Versammlungen und Demonstrationen die Gewährung von Grund- und Freiheitsrechten und nationale Einheit gefordert. Im Mai 1848 versammelten sich in der Frankfurter Paulskirche die Mitglieder des ersten gesamtdeutschen Parlaments. Zu den historisch herausragenden Leistungen gehörte das „Reichsgesetz betreffend die Grundrechte des deutschen Volkes“

Als Krack sich die amerikanische Flagge erklären ließ (hier waren eigentlich alle im Bilde) und dann die Bedeutung der deutschen Flagge Schwarz-Rot-Gold abfragte, mussten wir passen. Jaja, die weite Welt kennen und zuhause keine Ahnung haben, das nennt man „Globalisierung“. Aber zurück zur unserer Deutschlandfahne. Ein Ursprung liegt auch in den Befreiungskriegen 1813 gegen Napoleon, nämlich bei den Uniformen des Lützowschen Freikorps. Um Einheitlichkeit bei den zusammengewürfelten Haufen zu schaffen, wurde die Uniform schwarz eingefärbt. Hinzu kamen goldene (messingfarbene) Knöpfe sowie rote Ärmelaufschläge. In der bereits erwähnten Versammlung in der Paulskirche wurde offiziell die Flagge mit den waagerechten Farben Schwarz-Rot-Gold beschlossen und festgelegt.

Lediglich mit einigen Ölfunzeln bestückt, die auch öfter den Geist aufgaben, traten wir den Weg zum Friedhof an.

Aus dem Dunkel hatten sich zwei weitere Bandenmitglieder, Elfriede und Gustl zu Krack gesellt und bewachten uns auf dem Friedhof.

Am Grab des vor wenigen Jahren verstorbenen Wirtes wurde der geschichtliche Exkurs fortgesetzt, denn es handelt sich um einen Privatfriedhof. 1805 zur Zeit der Säkularisation kauften die Vorfahren des Verstorbenen die Kirche und versteigerten drei Altäre, die Kanzel und den Kreuzweg. Diese kann man heute in der Kirche von  Bad Salzschlirf anschauen. Der neue Besitzer ließ die Kirche jedoch nicht abreißen, sondern nutzte sie als Stallung und Scheune, solange bis der Sage nach die Kühe keine Milch, sondern nur Blut gaben und dieses sich erst wieder in Milch umwandelte, als der Fuldaer Bischof die Kirche zurück kaufte und ihrer ursprünglichen Nutzung zuführte. Seit dieser Zeit darf der Friedhof von der Eigentümerfamilie als Privatfriedhof genutzt werden.

Bedingt durch das Nieselwetter und die steigenden Hungergefühle wurde die Wanderung nicht in die umliegenden Wälder, sondern nur auf dem Postkutschenweg fortgesetzt, natürlich mit historischem Anspruch. So erzählte Krack von der ehemaligen Siedlung Guntherskirchen die um 1300 wüst fiel, als die Bewohner von der Pest heimgesucht wurden. Da die Obrigkeit Dienstmannen aus umliegenden Ortschaften anwies, diesen Ort zu umstellen und so die Verbreitung der Seuche verhindern zu verhindern, starben alle Bewohner und Tiere und liegen heute noch mit Hab und Gut in der sumpfigen Delle. Die Pest kam dennoch nach Fulda. Angeblich waren Zigeuner vor der Umstellung durchgereist und hatten die Pestfliege mitgeschleppt. Noch heute kann man in schwülen, gewittrigen Nächten die blauen Irrlichter aufflackern sehen.

1864 wurde der Räuber Krack gefasst, nach Fulda gebracht und zum Tode verurteilt. 1865 wurde er an einer gegabelten Blutbuche auf dem Postkutschenweg so erhängt, dass der Kopf vom Körper abriss. Diese Todesart war beabsichtigt, denn der Sitz der Seele ist im Kopf und wenn der Körper nicht vollständig bestattet wird, muss die arme Seele als Geist wandern, eine weitere zusätzliche Strafe.

Ein Räubertrunk oder auch zwei durfte natürlich nicht fehlen und so wurden wir eben von außen und innen nass.

Nach gespeistem, vorzüglichem Mahl kam noch der vorwitzige Joe in die Halsgeige und musste sich dem Trunke ergeben. Fünf Schnäpse, ohne sie zu verschütten und vierzig Taler Lösegeld später, wurde er dann aus seiner misslichen Lage erlöst.

Einige Kollegen haben von diesem gelungenen Abend durch das kurzweilige Näherbringen der heimischen Geschichte eine andere Perspektive auf ihre Heimat mit nach Hause genommen.

 

Niedergeschrieben vom „Tauchsieder“ Mary

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